Im Dunkeln sitzen bleiben
Podcast-Episode #10
Von Jumpscare und Goosebumps
Frank geht jede Woche ins Kino. Jana nicht. Sie ist schreckhaft, mag keinen Horror, keinen Kitsch, keine Langeweile – und braucht Spoiler, bevor sie sich einen Film zumutet. Ein Gespräch darüber, wie viel Überzeugungsarbeit es kostet, sie ins Kino zu kriegen – und warum Frank es trotzdem immer wieder versucht.

Worum geht es?
Frank geht regelmäßig ins Kino. Ist er deshalb ein Cineast? Jana stellt ihm Fragen – über seine Unlimited Card, seine Letterboxd-Rezensionen und darüber, wie anstrengend es ist, sie in einen Film zu kriegen.
In dieser Folge:
- Warum Frank lieber allein ins Kino geht
- Wie es sich anfühlt, von Stephen King erschreckt zu werden
- Iranische Filme, französische Untertitel und Hugh Grant im Horror-Modus
- Die Kunst, nach dem Kino sofort eine Rezension zu schreiben
- Ob man aus einem schlechten Film einfach rausgehen darf
- Und: Was „The Life of Chuck“ mit ihrer Beziehung zu tun hat
Erwähnte Filme
The Life of Chuck • Heretic • In die Sonne schauen • A Simple Event • Monsieur Aznavour • Black Doves • Der Held der Bahnhof Friedrichstraße • Memory Hotel • Hundreds of Beavers • Agents of Happiness • Bird
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Doch lieber lesen …
Jana
Frank geht regelmäßig ins Kino. Ist er deshalb ein Cineast? Diese Frage stellt sich mir immer wieder. Denn Filme sind ein fortwährendes Thema in unserer Beziehung. Letztes Jahr, am 30. Dezember, noch gar nicht so lange her, haben wir auch diesmal wieder einen Filmabend gemacht. Und diesmal war das Thema Kinofilme aus 2025. Frank hatte eingeladen und ausgewählt. Und ich erinnere mich, dass der eine Film von den beiden, und zwar The Life of Chuck, zu einer sehr lustigen Situation zwischen uns gefunden hat. Er wollte unbedingt, dass ich diesen Film sehe. Es war im Sommer und er war mit einem Freund an dem Film, er hatte ihn also schon gesehen und sagte, hey, den musst du sehen, wir müssen jetzt zusammen ins Kino gehen. Und es ging aber um eine Erzählung, die Verfilmung einer Erzählung von Stephen King. Und was ich gar nicht kann, ist Horror. Also im Grunde genommen möchte ich ja bei allen Filmen immer schon vorab wissen, dass am Ende alles gut geht. Also ich wünsche mir tatsächlich Spoiler, die ich nicht immer bekomme. Und ich halte Brutalität, Gewalt, Demütigung, Horror, aber auch Langeweile und auch Kitsch, also so Scham, also wo ich mich dann plötzlich fremdschäme, nur ganz schwer aus. Und ich habe so gedacht, vielleicht unterhalte ich mich jetzt doch mal mit Frank darüber. Erstens mal, warum geht er eigentlich so gerne ins Kino? Und zweitens mal, wie anstrengend findet er das, wenn er mich davon überzeugen muss, einen Film mit ihm gemeinsam zu gucken. Aber fange ich doch einfach mal an, lieber Frank. Es gibt da diese Begriffe Jumpscare und Goosebumps in der Horrorfilmecke. Liebst du das wirklich?
Frank
Jumpscares und Goosebumps, also Gänsehaut sozusagen. Was heißt, ich liebe es? Also ich halte es aus, sage ich mal. Ich habe ja im letzten Jahr im Grunde nicht einen Horrorfilm gesehen. Und wie wir ja nun beide wissen, dieser Stephen King-Film, The Life of Chuck, ist ja kein Horrorfilm. Und komischerweise gibt es aber in diesem Film eine Situation tatsächlich, wo ich, ich habe den Film jetzt viermal gesehen, die ersten dreimal jedes Mal wieder zu Tode. Also zu Tode erschrocken heißt ja, es fluscht oder flasht sich durch den ganzen Körper. Überall stehen einem, wie man so schön sagt, die Haare zu Berge. Also überall summt es im Körper. Und es war, als der Junge hoch wollte in dieses verbotene Turmzimmer, was ihm der Großvater verboten hatte. Und er hat den Schlüssel dem betrunkenen Großvater, der schlief, geklaut. Und ist in dieses Turmzimmer gegangen, hat die Tür aufgemacht. Und plötzlich ist der wieder erwachte Großvater, schreit der von unten, Nein! Und jedes Mal, jetzt selbst wenn ich drüber rede, spüre ich, wie es mir durch den ganzen Körper geht. Und das ist ja nichts Schlimmes an der Stelle. Er will ja nur was Schlimmes für den Jungen verhindern. Für einen Stephen King-Film, also null Horror in dem ganzen Film, nur diese eine Szene, Jumpscare. Also, ich erschrecke mich. Zu Tode heißt ja, die Todesangst, die einem befällt, wenn man Angst hat, Jetzt wird man im Nacken gepackt und zu Tode gebissen von dem Leopard, der ihn gerade verfolgt hat. Das ist das, was dann passiert, glaube ich. Aber ich suche es nicht. Aber ich mag es schon, das stimmt, ja.
Jana
Also ist es ein Kriterium, in einen Kinofilm zu gehen für dich? Nein, nein, nein, eigentlich nicht.
Frank
Weil ich habe ja zum Beispiel diesen anderen Stephen King Film, der dieses Jahr lief oder letztes Jahr ist das ja jetzt schon, über diesen Todesmarsch, also wo 100 Kinder losgehen und nur einer überlebt. den habe ich mir nicht angeguckt, weil ich es nicht also, ja, meine Tochter hat das Buch gelesen dazu und ich fand das Buch damals auch unfassbar ergreifend, aber eben auch so fürchterlich, dass ich mir den Film nicht angetan habe, also das habe ich nicht gemacht. Den einzigen Gruselfilm, den ich letztes Jahr gesehen habe, war Heretic mit Hugh Grant wo ich einmal im Leben erlebt habe, dass man tatsächlich mit demselben Gesichtsausdruck mit dem man eine Komödie spielt, auch einen großen Film spielen kann. Das fand ich sehr lustig.
Jana
Auch nicht schlecht, Gesichtsausdrücke. Aber es gibt ja Schauspieler, von denen man sagt, sie hätten nur ein Gesicht und einen Hut.
Frank
Ich glaube, Hugh Grant gehört dazu.
Jana
Aber es ist nicht auch Clint Eastwood.
Frank
Clint Eastwood ist der Klassiker.
Jana
Der Klassiker.
Frank
Ein Gesichtsausdruck mit und ein ohne Hut.
Jana
Interessant ist ja, dass du, auch wenn du jetzt gesagt hast, Du zählst dich nicht zum Cineasten, trotzdem mehrmals, wenn es geht, wenn es klappt, zeitlich mehrmals in der Woche ins Kino gehst?
Frank
Einmal die Woche, im Durchschnitt.
Jana
Im Durchschnitt einmal die Woche.
Frank
Bei acht bis zehn Filmen oder weiß ich wie viele pro Woche rauskommen.
Jana
Wonach triffst du deine Auswahl?
Frank
Meine Auswahl treffe ich danach, was an dem Tag, wo ich Zeit habe, ins Kino zu gehen, in den Kinos, die ich zur Auswahl habe, kommt. Und was mich dann interessiert sozusagen. Also ich meine, du weißt es ja, ich habe ja diese Unlimited Card von den York Kinos und da ist es einfach so, habe ich in Berlin eine große Auswahl, da sind wir in Berlin gesegnet mit diesen Kinos, muss man ganz ehrlich sagen und da finde ich immer was.
Jana
Aber gerade bei den York Kinos ist es ja so, sie spielen ja oft gar nicht diese großen Blockbuster-Filme, sondern sind ja schon ein bisschen ein ausgewähltes Repertoire, oder?
Frank
Ja, es ist ein ausgewähltes Repertoire und es ist schön und es sind Filme, die würde ich mir, und das ist halt der Grund überhaupt ins Kino zu gehen, weil ich das hier am Fernseher, also jetzt sage ich mal bei Netflix oder was weiß ich, würde ich wahrscheinlich nach 10 Minuten sagen, ach komm, habe ich jetzt keine Lust drauf oder will ich nicht über was anderes schauen. Das hast du im Kino nicht. Du entscheidest dich, du setzt dich rein, dieser Film ist es jetzt. Und das ist toll, weil man dann Filme sieht, an die man sonst nicht so geraten würde. Und das ist schön.
Jana
Im Grunde genommen ist das genau eine Frage, die ich dir auch stellen wollte. Hast du es schon mal erlebt, dass du aus einem Film rausgegangen bist, weil du ihn einfach wirklich blöd fandest? Oder sagst du dir dann, naja, jetzt sitze ich schon mal im Kino, dann bleibe ich auch sitzen.
Frank
Ich kann mich offengestanden nicht erinnern. Ich bin im Kino schon eingeschlafen. Wobei ich das damals vielleicht auch darauf schieben würde. Das war ein Film über die Paul McCartney-Band, die er nach den Beatles hatte. Da war so ein Film, aber ich glaube, da hatte ich auch was getrunken und war müde und bin jedenfalls eingeschlafen. Aber an sich nicht. An sich bin ich bei einem Film immer schon dabei und es ist ganz, ganz selten. Und letztes Jahr oder in den letzten zwei, drei Jahren ist es mir auf keinen Fall passiert. Liegt aber auch daran, dass ich natürlich schon gucke, was ich mir anschaue. Es sind dann verrückte Filme bei, weil zum Beispiel dieser Film In die Sonne schauen, den es jetzt gab, der deutsche Beitrag von Oskar, der ja keine Chance haben wird, über ein Jahrhundert weibliche Perspektiven aus einem Bauernhof in Sachsen-Anhalt. Ein unheimlich poetischer Film, der viel mit Kameraspiel, mit Gesichtern, mit Begebenheiten, keine durchgehende Geschichte. So etwas würde ich mir sonst nicht anschauen im Fernsehen. Das würde nicht passieren, aber wenn ich was Positives drüber lese oder wenn ich denke, ja, das könnte mich interessieren, dann sitze ich im Kino und dann bleibe ich die zwei Stunden sitzen. Nicht, weil ich denke, ich dürfte jetzt nicht gehen, sondern weil ich mich entschieden habe, weil ich sitze, weil ich diesen Film gucken will.
Jana
Ja, du sagtest ja, das ist schon was anderes, ob ich vor dem Fernseher zu Hause sitze und die Möglichkeit habe, einfach auszuschalten oder umzuschalten oder ach, ich gucke nochmal nach was Neuem. Oder aber zu sagen, ich sitze jetzt im Kino und bleibe hier sitzen.
Frank
Deswegen will ich ja Fernsehserien mit dir gucken, weil wenn wir zusammen gucken, renne ich nicht weg. Wenn ich alleine gucke, denke ich nach der ersten Folge oder was weiß ich.
Jana
Das ist so ein Spoiler, weil selbst hier zu Hause kriegt er mich ja nicht von Fernseher. Es ist viel Überzeugungsarbeit, dass ich mit Frank gemeinsam einen Film oder gar eine ganze Serie gucke. Aber eine weitere Frage, die mir dabei durch den Kopf gegangen ist. Wie empfindest du es für dich selbst als angenehmer? Du gehst ja viel alleine ins Kino. Ist das auch tatsächlich das, was du am liebsten tust? Oder ist das, wenn du mit jemandem zusammen ins Kino gehst, genauso in Ordnung?
Frank
Ja, das ist sicherlich beides in Ordnung. Aber wir kennen das ja voneinander, auch wenn wir ins Konzert gehen. Wir sitzen auch gerne mal voneinander getrennt. Es ist einfach, das Erlebnis ist mehr auf das Kunstwerk, selbst gerichtet auf den Film, auf das Konzert. wenn man allein mit sich ist. Und ich habe keine Not, alleine ins Kino zu gehen. Also es gibt, wenn man jetzt in Berlin, wenn ich jetzt im Stilfi Lux an Zoo fahre, dann ist es natürlich Nacht zum Elbe zurück im Winter mit der BVG oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin, wo man ja nie weiß, was fährt, was fährt nicht. Ja, es ist eine Herausforderung, aber es ist auch schön. Also es ist, ich mag das.
Jana
Berlin bei Nacht.
Frank
Ja, naja. Ich habe jedenfalls damit keine Not und ich finde das schön. Also ich gehe gerne allein ins Kino.
Jana
Du musst mich gar nicht so überzeugen. Schon in Ordnung. Ich brauche kein schlechtes Gewissen zu haben. Ich habe da gleich mal noch die Frage, du gehst. Du hast ja aber auch regelmäßige Verabredungen, zum Beispiel mit deinem Enkelsohn. Du gehst regelmäßig mit deinem Enkel ins Kino. Wer wählt?
Frank
Einmal er, einmal ich. Das letzte Mal habe ich gewählt. Da habe ich ausgesucht, ein einfacher Unfall, ein iranischer Film. Ich hatte ja mehrere iranische Filme. Das ist so wie so eine Art Mode, die Saat des Feigenbaums oder so, hatte ich im Januar letztes Jahr schon. Es sind ja immer so Geschichten über eben das Leben in der Diktatur sozusagen. Aber es ist schön, einen Blick in diese Welt tun zu können. Das war schon mit Nader und Semin so. Also iranische Filme gucke ich eigentlich gerne, weil es auch das Fremde so ein bisschen wegnimmt. Man bekommt einen Zugang.
Jana
Aber wie reagiert dein Enkel darauf?
Frank
Ja, das finde ich völlig faszinierend, weil er ist offenbar auch ein Cineast. Er hat deutlich mehr Filme im letzten Jahr gesehen als ich. Ich bin bei 83, also jetzt dokumentierten Filmen sozusagen. Er ist bei über 100 irgendwie gewesen. Und er ist auch für alles offen. Also ich war letztes Jahr mit ihm auch zu Monsieur Asnavour, einem französischen Film, den wir auf Französisch mit deutschen Untertiteln geschaut haben. Das war das erste Mal in seinem Leben, dass er sowas gemacht hat. Eine Fremdsprache, die er nicht versteht, mit deutschen Untertiteln. Und er fand es cool. Und das ist schön, sowas.
Jana
Da kommen mir gleich zwei weitere Fragen in den Kopf. Die erste Frage, wie ist das eigentlich mit fremdsprachigen Filmen? Guckst du die Filme lieber original, also auf Englisch, wenn du kannst?
Frank
Was heißt auf Englisch zum Beispiel? Diesen jetzt ein einfacher Unfall, der ja in Iran gedreht wurde, heimlich sozusagen, und dann hier in Europa zu Ende geschnitten irgendwie. Der war ja auf Persisch, keine Ahnung, mit deutschen Untertiteln. das stört aber nicht. Ich finde das mit den Untertitelten völlig in Ordnung. Es ist auch nicht so, dass ich dann ständig nur am Lesen bin, weil einen deutschen Satz auf der Leinwand erfasse ich ja mit einem Blick. Da muss ich ja nicht ständig hingucken. Ich finde das cool, weil die Sprache auch ein Gefühl vermittelt für die Landschaft, was weiß ich, wie das dort klingt und so. Also ich finde das okay.
Jana
Da stimme ich dir völlig zu. Wir haben mal gemeinsam eine Mini-Netflix-Serie gesehen. Black Doves hieß die, glaube ich. die ist in Italien gedreht worden. Und wir haben die auf Italienisch geguckt mit deutschen Untertiteln. Und ich fand das total spannend, weil diese italienische Sprache, also dieser Klang des Films war ein ganz anderer, glaube ich. Also vom Gefühl her.
Frank
Komischerweise kann ich mich daran gar nicht mehr so genau erinnern. Das ist das Gute, wenn man nicht so viel guckt wie ich, dass man sich die Sachen besser merkt. Aber ja.
Jana
War eine Netflix-Serie. War zu Hause, nicht im Kino. Die italienische Kriminalistin. Aber ich hatte noch eine andere Frage. Und zwar, weil du gerade von Score gesprochen hast, du 83 Filme, deine Enkel schon über 100. Da kommen wir auf das Thema, dass du dich auch gerne, öffentliche Verkehrsmittel in Berlin, auf dem Heimweg nach dem Film in die S-Bahn oder in den Bus oder so setzt und dann gleich anfängst, wie so eine Art kleine Rezension zu schreiben. Ist das für dich nochmal so eine Art Nachbearbeiten des Films? oder was bedeutet dir das?
Frank
Das ist eine interessante Frage, weil draufgebracht hat mich mein Enkel, der hatte diese App Letterboxd oder wie die heißt, eine australische App, soweit ich weiß. Und das Witzige ist, dass auch deutsche Filme dann dort oft mit einem englischen Titel versehen sind, dass man hinterher denkt, was war das jetzt für ein Film? Und ich versuche dann tatsächlich so eine Art Zusammenfassung meiner Meinung oder was in dem Film passiert ist, Mal mehr, mal weniger ausführlich. Das hat auch mit dem Drang zu tun, es nicht nur für sich getan zu haben. Auch wenn ich weiß, ich stelle das dann in den Status. Manche lesen das. Ich weiß, es sind auch schon Leute auf meine Empfehlung ins Kino gegangen. Gerade jetzt hatte ich wieder so eine Rückmeldung wegen des Helden der Bahnhof Friedrichstraße, wo wir beide ja waren, was wir toll fanden. In der Berliner Zeitung ist er ja völlig verrissen worden. Aber ich fand den Film toll.
Jana
Großartige deutsche Komödie.
Frank
Ja, aber hat richtig viel Spaß gemacht. Und was heißt großartig? Es war einfach eine solide Komödie. Es war nicht peinlich, es war witzig. Es hat auch diese, was eine gute Komödie braucht, ist ja auch eine gehörige Portion, ernsthaftes Thema. Also dass man sich die Wände so zurechtredet, wie der Wessi sie braucht. Das ist ja, sage ich mal so in diesem Film, der Grundzug, der sich so durchzieht, wie der Wessi gerne die Erinnerung hätte, die der Ossi haben muss, damit es in sein Weltbild passt.
Jana
Einschließlich Stasi.
Frank
Und einfach eine schöne, ja. dann am Ende, wie die beiden vom, also die Überwacher vom Bundeskanzleramt oder was weiß ich, es war ja ein bisschen absurd, die dann die zwei Stasi-Typen da spielen, also wie sie versuchen, das Happy End mit Lippen lesend zu übersetzen, das war doch super, oder?
Jana
Es war doch einfach nur ein großartiger
Frank
Witz, ja. Aber gut, das war nicht der Ansatz. Der Ansatz war, dass man irgendwie, oder dass man, wenn ich aus dem Kino rauskomme, wie so ein Bedürfnis hat, mich auch mitzuteilen. Aber nur so, es in die Welt zu senden, Und so nach dem Motto, vielleicht liest es ja einer. Und tatsächlich lesen es immer wieder ein paar, also nicht viele. Und das ist schön, das freut mich.
Jana
Bist du streng in deinen Bewertungen?
Frank
Eher gar nicht. Eher das Gegenteil. Also wenn ich aus dem Film rausgehe, in 99 Prozent aller Fälle, sagen wir mal in 95 Prozent, so viel sehe ich ja gar nicht, bin ich an sich begeistert. Und ich würde allen Filmen in fünf Sterne, also ich habe so ein Fünf-Sterne-System ist das, oder in dieser Letterboxd-App (Dunelover) da, Und dann während ich schreibe, merke ich plötzlich, hier hat es gehakt oder dort hat es gehakt und dann fallen mir plötzlich so Abzüge ein. Deswegen ist das Schreiben auch ganz gut, es nochmal zu reflektieren in irgendeiner Form. Aber ich habe bestimmt, das meiste ist fünf Sterne, vier Sterne.
Jana
Drei Dreiviertel.
Frank
Ja, naja, es sind manchmal so, wie jetzt die zwei Staatsanwälte über dieser Stalinische Terrorfilm. Da bin ich dann ein bisschen strenger gewesen. Das war nur zweieinhalb, weil ich den Film ein bisschen absurd fand. Aber ja, gut, ist Geschmackssache.
Jana
Ja, aber du kommst schon wirklich oft nach Hause und bist irgendwie doch sehr erfüllt und immer wieder sehr positiv gestimmt, wenn du aus dem Kino nach Hause kommst.
Frank
Sehr begeisterungsfähig, ja, das stimmt. Was ich an der Stelle, darf ich noch einen kurzen, weil ich, was auch Kinobesuche mit sich bringen, ist, dass man Filme sieht, die man sonst nicht sieht. Wir waren zu zweit bei einem Film, das hat jetzt nichts mit den York-Kinos zu tun, das war jetzt eine andere Geschichte, Memory Hotel, dieser Trickfilm, wo ein Mann, Heinrich Sabel in Berlin, 25 Jahre dran gearbeitet hat in diesem Stop-Motion-Film, was ein ganz großartiger Film geworden ist, den man, ich weiß nicht, wie viele Leute den am Ende gesehen haben werden. Ich meine, für 25 Jahre Arbeit, der hat ja auch was von Irrsinn, aber es ist trotzdem schön, das zu erleben. Oder dieser komische Film, wenn ich den jetzt sage, da kannst du jetzt nichts mit anfangen, Hundreds of Beavers. So ein amerikanischer Film über einen Fallensteller, der irgendwie irgendwas zu essen braucht und ständig nur von allen fertig gemacht wird, der so ein Monty-Python-Stil war, also so richtig die Basis des Kinos. Ich brauche ein Spiegelei und keiner gönnt es mir. Und dann muss ich immer alle auf den Kopf hauen. Und mir hauen alle auf den Kopf. Die sind von Amerika, wo die den Film gemacht haben. Da hat einer festgestellt, er fällt gut hin. Und möchte daraus einen Film machen. Dann haben die diesen Film gedreht. Das größte Geld hat faktisch die Postproduktion gekostet. Und die Touren jetzt mit diesem Film, wie so eine Popstars durch die Kinos der Welt, sind auch immer da. Haben dann auch so einen Biber mit. Also so ein Typ, der in so einem Biberkostüm. Großartig, ja. Oder dieser Agents of Happiness, also von den zwei Typen in diesem Land, Nepal, war das Nepal, wo sie mit dem Glücksindex immer arbeiten. Nee, Nepal war das, oder? Bin ich mir jetzt gar nicht sicher. Die faktisch immer rumgerannt sind, rumgefahren sind und die Leute gefragt haben, wie glücklich sie sind. Und der Glücksindex in diesem Land liegt bei über 90 Prozent. Wenn die da aber rumfahren und die Leute fragen, kommen sie immer maximal so auf 60. Und es hat sowas Nordkoreanisches gehabt mit Glücksverpflichtung. Aber so zwei Typen zu sehen, die beide ja ihre eigenen privaten Probleme haben und die Leute abklappern, um diese Fragebögen auszufüllen. Wie glücklich bist du? So eine Filme siehst du sonst nicht. Ja, das stimmt. Weil zu Hause würde ich die nicht gucken, aber im Kino sitze ich.
Jana
Eine letzte Frage fällt mir dabei noch ein. Du magst es schon auch ganz gerne, so eine Art Blind Date zu haben. Also du gehst auch ab und zu ins Kino, ohne zu wissen, was gezeigt wird?
Frank
Leider selten. Letztes Jahr war nur der eine Film Bird über so ein Mädchen, weil das kommt meistens 22 Uhr irgendwo. Also das würde ich gerne viel öfter machen. Das finde ich cool. Ich weiß noch, das erste Mal, wo ich das gemacht habe, lief der Film Pleasantville, So eine absurde amerikanische Komödie, fand ich damals großartig, ist lange her. Aber manchmal mache ich das, ja. Das könnten wir auch mal zusammen machen.
Jana
Ich weiß nicht, ob ich das will. Ja, das ist man sitzt da.
Frank
Im Kantkino machen sie das öfter, aber auch in anderen Kinos. Also es ist nicht mal da.
Jana
Also ich stelle fest, dass selbst in diesem Gespräch ich es total mag, deine Begeisterung zu sehen, zu spüren, wie du sofort in Filmen und in Erinnerungen und das und das und das hineinfällst. Also ich weiß ja nicht, was man unter einem Cineasten versteht, aber ich finde schon, dass du einfach gerne ins Kino gehst und gerne Filme guckst. Sagen wir mal so, ich wünsche mir von dir, dass du es auch weiterhin schaffst, ab und zu mal Aufmerksamkeit und Energie da hineinzustecken, mich in einen Kinofilm zu kriegen.
Frank
Die kriegt man ja immer bloß ins Kino um die Ecke hier, einen blauen Stern.
Jana
Nein, das stimmt nicht.
Frank
Aber um nochmal auf das Thema Cineast ganz kurz zu kommen. Ein Scenarist ist jemand wie Knut Elstermann, sag ich mal. Jemand, der sich faktisch fast beruflich damit beschäftigt, der sich auskennt mit allen Regisseuren, mit allen Schauspielern, der die Entstehungsprozesse der Filme verfolgt. Das tue ich en passant auch, aber nicht in dieser Intensität.
Jana
Du bist ein Lover.
Frank
Ich bin eher so ein Liebhaber. Ich mag es, ins Kino zu gehen, viel mehr als ins Theater.
Jana
Echt, ja? Viel mehr als ins Theater?
Frank
Früher bin ich auch viel ins Theater gegangen, aber Theater ist oft so gewollt. Kino ist ehrlicher, ist aber nur so eine Meinung.
Jana
Schön, ach schön, ich freue mich. Also meine Fragen sind beantwortet. Ich denke mal, wir belassen es dabei und ich sage ganz herzlich danke.
